Die Angst vor der emanzipierten Frau

Mit Absicht provokativ, da Emanzipation fälschlicherweise gerne mit (Radikal-)feminismus gleichgestellt wird, obwohl sich beides konträr zueinander verhält.

 

 

Mittlerweile kann ich nur noch darüber lachen: Männer die automatisch davon ausgehen, hier sitze der Mann vorm Monitor und knüpfe die Kontakte. Männer die uns Mails schreiben mit Inhalten wie: "...deine Alte mal richtig rannehmen..." oder "...ich will mit dir deine Stute zureiten...", Männer die glauben, ich sei ein kleines unmündiges Mäuschen, das zu Hause nichts zu melden aber dafür her zu halten habe, wenn dem Herrn des Hauses die Gelüste danach stehen. Ich weiß nicht, woher man in der heutigen Zeit ein derartiges Frauenbild vermittelt bekommt, mitten in unserem vergleichsweise zivilisierten Deutschland, jedoch verraten derlei Annahmen mehr über eingeprägte Denk- und Verhaltensweisen als so manchem lieb sein kann. Merken die Herren dann auf einmal, dass die "Alte" oder die "Stute" selbst vorm PC sitzt, werden sie plötzlich ganz klein mit Hut oder wirken bei entsprechender Antwort sogar verschüchtert. Vergleichsweise niedlich kommen da die Jungs daher, die immer schön brav nachfragen, mit wem von uns beiden sie gerade schreiben, damit sie ihre Wortwahl und Aussagen dementsprechend anpassen können. Dass eine Person, deren das dritte Bein zwischen den zwei anderen fehlt, ebenso Worte wie "ficken", "blasen" oder "wichsen" benutzt, scheint für viele der eindeutige Beweis zu sein, dass am anderen Ende eben doch unweigerlich ein Dreibein sitzen muss oder man(n) gibt sich plötzlich irritiert. Und mir drängt sich jedes mal die Frage auf, dass ich zwar emanzipiert bin aber wie emanzipiert darf ich denn in den Köpfen der anderen bitteschön sein? Darf ich freizügig sein und es auch genießen, mit zwei Männern zu schlafen oder ist das schon zu viel? Haben diese Kerle überhaupt eine Ahnung davon, was das Wort "Emanzipation" überhaupt bedeutet?

 

Auszug aus dem Duden: "Eman|zi|pa|ti|on , die; -, -en (Befreiung von Abhängigkeit; Gleichstellung)"

 

Wieso denken dann alle beim Begriff "Emanzipation" an Kurzhaarfrisur tragende Emma-Leserinnen, die im Holzfällerhemd auf die Straße gehen, um gegen Verkehrsschilder mit darauf abgebildeten Männerfiguren oder Pixi-Kinderbücher in denen man an der Zahl mehr Bilder von Jungen, als von Mädchen findet, zu demonstrieren? Mal ganz abgesehen davon, dass Alice Schwarzer und Konsorten wohl kaum emanzipiert sein können, zumal sie zum Einen in ihrer männerfeindlichen und gleichzeitig frauenverherrlichenden Kritik keine Gleichstellung von Frauen und Männern fordern und zum anderen Kampagnen wie "PorNo" starten, in denen behauptet wird, eine Frau würde sich nicht aus eigener Lust einem Mann unterwerfen können, sondern dies geschehe immer nur zur Befriedigung des Mannes, wobei der Frau pauschal einfach mal so nebenbei ihre sexuelle Selbstbestimmung abgesprochen wird (ungeachtet der Tatsache, dass auch Pornofilme mit umgekehrtem Rollenmuster auf dem Markt existieren). Dabei bedeutet für mich Emanzipation gerade eben, dass eine Frau sich von allen Abhängigkeiten befreit - auch von der Abhängigkeit des Urteils anderer. Wie schnell wird eine Frau, die ihr Sexualleben so gestaltet, wie sie es selbst möchte, als Schlampe tituliert, während ein Mann mit überdurchschnittlich oft wechselnden Partnerinnen sich als toller Hecht feiern lässt? Befreiung von Abhängigkeit bedeutet für mich Selbstbestimmung! Ich kann selbst entscheiden, wie, mit wem und wann ich schlafe und zwar weil es mir gefällt und ich mir keinen Kopf darum machen brauche "Huch, ich habe zwei Brüste und eine Vagina, deshalb darf ich dies nicht und jenes nicht, was sollen denn die Leute denken, bla bla bla..." Das ist für mich Unabhängigkeit - Unabhängigkeit vom Urteil anderer und die Unabhängigkeit meiner eigenen Lust, indem ich mir von niemandem etwas verbieten oder vorschreiben lasse, auch und erst recht nicht von irgendwelchen feministischen Rollenzwängen! Ich gebe mir selbst die Freiheit meinen Fantasien freien Lauf zu lassen und diese auszuleben, ohne mich auch nur eine Sekunde dafür zu schämen. Auch ich bin manchmal notgeil, auch ich möchte manchmal einfach nur ficken, ohne langes Vorspiel, auch ich habe großen Spaß am Sex. Wieso sollte ich mich zieren, wenn mein Partner und ich es beide wollen? Wieso ihm und vor allem mir selbst etwas vormachen? Warum bitteschön sollte ich mich denn genieren?

 

Die meisten Männer finden die Sexualisierung nur solange geil und vorteilhaft, bis sie selbst sexualisiert werden. Es schüchtert sie oftmals ein, wenn sie plötzlich ebenso nach körperlichen Attributen bewertet werden.

 

Dennoch möchte ich unter allen Umständen keinen falschen Eindruck vermitteln. Viele setzen eine emanzipierte Frau gleich mit einer feministischen Frau, letzteres entspricht mir jedoch absolut nicht und erstes auch bloß im Groben, wenn man mal von meinen männlichen Persönlichkeitszügen absieht. Alles was ich möchte, ist die Gleichheit - nicht mehr und nicht weniger. Ich möchte genauso respektiert und anerkannt werden, wie mein Partner, ich möchte dass man mich selbst anspricht, wenn man mir etwas zu sagen hat und nicht in meiner Anwesenheit von mir in der dritten Person über meinen Kopf hinweg mit jemand anderem spricht, als wäre ich ein Objekt oder gar nicht da. Ich weiß was ich will und kann das auch sagen. Ich nehme mein Gegenüber ernst und verlange selbiges zurück, wobei ich nicht denke, dass das zu viel verlangt ist. Ich will genauso behandelt werden, wie mein Mann, ohne falsche "Rücksichtnahme", Zurückhaltung, etc.

 

Ebenso bin ich keine sexbesessene Nymphomanin und ständig notgeil. Ganz im Gegenteil, ich bin mit meinem Mann seit über fünf Jahren zusammen, hatte seitdem keine anderen sexuellen Kontakte, jedoch bin ich ihm treu weil ich es will und nicht etwa, weil es von mir erwartet wird. Zusammen mit ihm und einem anderen Mann Sex zu haben ist ebenso nicht erst seitdem ich ihn kenne mein Wunsch, das Verlangen nach zwei Männern und diesen beiden auch beim Austausch diverser Intimitäten zuzuschauen, hege ich bereits seit meiner Pubertät und entstand in mir selbst, ohne dass man mich überredete.