Monogamous Polyamory

Ein Widerspruch in sich oder etwa doch nicht?

 

 

Es könnte alles so einfach sein: Da gibt es die ganz braven Paare, die rein monogam leben, Liebe und Sex nur in ihrer Zweierbeziehung erleben, es gibt die Swinger, die zwar Sex mit anderen Partnern haben aber nur einen Menschen lieben und es gibt die Polys, mit ihrer freien Liebe, mit ihren Centern, Wings und was weiß ich nicht alles... Alles ganz einfach, oder? Jeder hat seine Schublade, jeder weiß wo er daheim ist und wo er sich einzuordnen hat, wären da nicht diese verdammten Querköpfe, die diese sauber von einander abgetrennten Raster mit Füßen treten müssen. Zugegeben, ich bin selbst einer von den Quertreibern ;-)

Wie kann man monogam sein, wenn man zwei Männer liebt? Wie kann man poly sein, wenn man eine feste Beziehung mit beiden anstrebt? Auch wenn mich die Erfahrung lehrt, dass mich nur ein Bruchteil der Menschen in dieser Angelegenheit versteht und meine Gefühle nachvollziehen kann, möchte ich dennoch versuchen zu erklären, warum ich mich ausgerechnet zwischen alle Stühle setze. Das hat nämlich durchaus einen Grund für mich.

Noch nie habe ich mich an vorgefertigten Strukturen orientiert, wenn es um meine Träume ging. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese aus dem, von der Gesellschaft anerkannten oder dem alternativen Lager stammen. Wenn ich von meinen Eindrücken schreibe, so spiegelt dies darum lediglich meine ganz persönliche Meinung wieder und richtet sich weder gegen Polys, Monos, noch gegen Swinger! Jeder soll so leben und glücklich werden wie er meint, dass es am besten für ihn ist.

Fangen wir mal an mit der althergebrachten Monogamie. Es ist für mich möglich mit einem Mann zusammen zu leben, ihn zu lieben und ihm auch treu zu sein. Jedoch würde mir trotzdem etwas sehr wichtiges fehlen, selbst wenn er bisexuell wäre und ich mit ihm auch meine männliche Sexualität ausleben könnte. Ich möchte ihn nämlich gerne in den Armen eines anderen Mannes sehen, möchte sehen, wie sie sich lieben - nicht nur beim Sex - und ihre Gefühle genauso tief für einander empfinden, wie für mich. Es geht also gar nicht um ein Gefühl von Enge und Freiheitsverlust, welches mir widerstrebt. Wer verliebt ist, ist ohnehin immer abhängig. Oder gibt es tatsächlich jemanden, der behaupten will, dass man in diesem Zustand nicht einfach nur noch süchtig nach dem anderen ist? Nicht zuletzt verhalten sich Verliebte schließlich auch oft genug wie Suchtkranke ;-) Es geht mir viel mehr um das Fehlen eines Parts, von dem ich weiß, dass ich ihn brauche. Denn wenn ich ihn nicht bekomme, wird die Sehnsucht irgendwann so groß, dass sie mich tatsächlich schmerzt. Die Sehnsucht nach dem Spüren der Liebe zwischen zwei Männern und ihrer Liebe zu mir. Denn die hingebungsvollste Bewunderung verspüre ich erst dann, wenn sie miteinander kuscheln, sich küssen und zärtlich zueinander sind.

Das Swingen oder andere sexuelle Abenteuer außerhalb der Partnerschaft scheiden somit schon einmal gänzlich aus, denn mit anderen Frauen teile ich schon mal gar nicht und der bloße Sex zu dritt bei einem MMF würde bei den ersten Malen sicherlich spannend für mich sein, doch bald seinen Reiz verlieren. Sex ist für mich eben doch mehr als pure Geilheit - egal ob zart oder hart, zu zweit oder zu dritt. Und ganz ehrlich finde ich den Gedanken auch nicht besonders ansprechend in einen Club zu gehen, wo es nur ums Rudelbumsen geht. Ich weiß bereits von mehreren Swingern, dass es dort zudem immer wieder Leute gibt, die meinen einfach mitmachen zu können und ungefragt gerne mal ihre Hände wandern lassen, wenn man gerade beschäftigt ist. Da habe ich Sex doch lieber im privaten Rahmen und nur zu zweit oder zu dritt, es muss ja nicht immer das heimische Ehebett sein. Sex und die Menschen, mit denen ich diesen habe, sind für mich etwas sehr Besonderes und Exklusives und so soll es auch bleiben. Ein großes Stück von dem einzigartigen Zauber dieser Leidenschaft ginge für mich dabei verloren. Zudem reicht es mir bei Weitem nicht aus, irgendwo hinzufahren, um ein bisschen Small Talk zu halten, vielleicht ein wenig zu vögeln hier und da und anschließend wieder in die heimischen Gefilde zurückzukehren. Ich habe meine Erfahrungen im sexuellen Bereich bereits gesammelt und mittlerweile bringt mir der schnelle Sex einfach nichts mehr.

Bleibt noch das weit gefächerte Feld der Polyamorie. Zuerst angetan, da ich dachte, dem Kind endlich einen Namen geben zu können, schlug die Begeisterung bald in Ernüchterung um. Ich surfte zunächst im Netz und las dort von den vielen verschiedenen Arten der Liebe zu mehr als einer Person. Doch ein paar Bücher und Unterhaltungen mit polyamourösen Menschen schlauer, wusste ich, dass dies wohl doch nicht so ganz meinen Vorstellungen von einem erfüllten Liebesleben entspricht. Erzählungen von Haupt- und Nebenbeziehungen, von Center und Wings, schreckten mich ab. Endgültig enttäuscht war ich als ich das Buch "Frühstück zu dritt" las, in dem mehrere polyamouröse Menschen zu Wort kommen und von ihren Gefühlen, Lebensentwürfen, sowie Erfahrungen berichten. Ich konnte und kann mich absolut nicht mit Aussagen identifizieren, dass eine Liebe beispielsweise schön sei, in der der Partner nicht mehr das Wichtigste für einen ist, sondern lediglich nur noch das Pünktchen auf dem i darstellt, auf welches man auch gut verzichten könnte, wenn man wollte. Weiterhin gab es zahlreiche andere Punkte, wie beispielsweise, dass es laut vielen Polys in der Polyamorie keine Treueforderungen gibt, ich allerdings sehr wohl von meinem Partner Treue fordere und sei dies auch nur in Bezug auf andere Frauen. Schilderungen, in denen eine Frau eine Beziehung zu zwei Männern führte - einer durfte mit ihr an den geraden Tagen des Monats ins Bett, der andere an den ungeraden -, Terminkalender um Partnerschaften zu führen, der Umgang mit Eifersucht, viele oberflächliche Beziehungen, die aus Gründen mangelnder Zeit zwar nicht intensiviert aber dafür als Freiheit zelebriert werden und so einiges mehr, machten mir klar, dass die Poly-Welt, nicht die meine ist. Sicher gibt es auch Polys, die das alles super managen und glücklich damit sind. Jedoch musste ich erkennen, dass dieser Weg nicht der meine ist. Viele von den Polys im Netz verhielten sich tolerant mir gegenüber, doch war spätestens beim Thema Eifersucht und meiner Einstellung zur Treue und einer festen, sowie auch geschlossenen Beziehung zu dritt, herauszuhören, dass man mich nicht so recht verstehen kann und ich doch eher irgendwo zwischen Monogamie und Polyamory schwanke. Ein Mann in einem Forum brachte es mal auf den Punkt, als ich meine Art zu lieben schilderte und sagte mir klipp und klar, dass ich nicht poly sei, sondern bigam oder auch sonstwas, jedenfalls nicht poly (klang schon ein bisschen abwertend aber im Nachhinein finde ich es ganz gut, dass es jemand mal so klar ausgesprochen und sich nicht hinter dem zuckersüßen "Hab-Dich-Lieb-Tantra-Blümchen" versteckt hat).

Ich will eben weder mehrere Beziehungen, die alle getrennt von einander ablaufen, noch die Partnerschaft, in der ich niemals Aussicht darauf habe, dass diese tiefe Sehnsucht in mir gestillt wird. Ich will diese eine Beziehung, dieses eine Leben mit zwei Männern. Ein geschlossenes Dreieck scheint mir daher geradezu ideal zu sein - jede Linie berührt die beiden anderen, womit alle Seiten miteinander fest verbunden sind, ohne Öffnung nach außen! Ich weiß nicht, ob es möglich ist, dafür jemals die passenden Partner zu finden. Entweder die Bi-Männer sind ganz zu oder ganz offen. Dazwischen gibt es oftmals nichts. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Mut gemacht hat mir hingegen die Doku: "Three Of Hearts: A Postmodern Family", in der eine solche Triade zwischen zwei bisexuellen Männern und einer Frau über mehrere Jahre von einem Kamerateam verfolgt wurde. Es gibt sie also! Hingegen fand ich letztens auf dem Cover eines englischsprachigen Buchs den Begriff "monogamous polyamory" (ok, ich gestehe, der Titel dieses Beitrags ist geklaut ;-) ) - so widersprüchlich in sich, dass er schon wieder witzig ist und einem das Schubladenchaos vor Augen führt. Erinnert mich obendrein auch ein bisschen an die Wortschöpfung "Schwule Frau", die im ersten Moment auch keinen Sinn zu ergeben scheint ;-)